Typischisland

Sehr viele Leute waren schon in Island. Viele schwärmen von diesem Land. Als ich gesehen habe, dass es dort eine ungefähr 1400 km lange Ringstrasse durchs ganze Land gibt, dachte ich, dass das eine praktische Distanz zum Velofahren wäre. Das Velofahren in Skandinavien hat mir gut gefallen. Natürlich würde es in Island noch etwas mehr regnen, noch etwas mehr winden und es wäre noch etwas kühler als in Skandinavien. Aber ich bin ja erprobt…dachte ich zumindest.

Zuerst musste aber organisiert werden. Ich habe mein eigenes Velo mit dem Flugzeug in einer Kartonbox transportiert. Das kommt günstiger als mieten und man weiss was man hat. Die Kartonbox habe ich in einer Herberge in der Nähe des Flughafens ca. zwei Wochen im Juni 2018 deponiert. Ich bin der Ringstrasse gegen den Uhrzeigersinn entlang gefahren. So hatte ich die grossartigen Touristenattraktionen gleich zu Beginn. Zuerst die Wasserfälle, dann die Gletscher. Das Wetter war immer mal wieder nass. Es kam mir vor wie Aprilwetter mit herbstlichen Temperaturen. Zum Glück hat es bei den Wasserfällen immer ein bisschen geschont. Am vierten Tag hatte ich erstmals kräftigen Gegenwind. Das Highlight von Island war Jökulsárlón. Auf diesem See hat es viele imposante Eisberge. Sobald diese genügend geschmolzen sind, passen sie unter der Brücke durch und schwimmen ins Meer. Wegen den Gezeiten bleiben etliche Eisberge am Strand hängen, wo man sie nun berühren oder sogar begehen kann. Das war unglaublich eindrücklich.

Es wurde kühler. Gute Ausrüstung ist wichtig. Der Regenschutz hilft nicht nur gegen Regen, sondern auch gegen Wind. Die Goretexmembran wird zur zweiten Haut. Der Wind an der Ostküste war nicht ideal. An einem Tag gab’s Kälte, Regen, (Gegen-)Wind und viele Höhenmeter. Das war der zermürbendste Tag dieser Ferien. An den Fjorden wehte der Wind vom Landesinnern Richtung Meer. So hatte ich wenigstens ab und zu Rückenwind. Am Abend war ich an einem schönen Plätzchen und habe mich wieder mit Island versöhnt. Auch das Landesinnere bot unverhofft weiterhin starken Gegenwind. Den ganzen Tag, zwar mit meist wolkenlosem Himmel. Aber das Velofahren war hart. Entspannung gab’s im Thermalbad von Mývatn. Mir wurde klar, dass ich in Island wohl nicht mehr mit gemütlichem Wetter rechnen darf. Es scheisst mich an könnte man sagen. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass einen die Vogelkacke trifft? Mich hat einer am linken Knie getroffen. Dann gab’s wieder mal einen Wasserfall, bevor ich in der einzigen Stadt neben der Hauptstadt namens Akureyri eintraf. In Island werden die nassen Sachen übrigens oftmals nicht von der Sonne getrocknet sondern vom Wind.

Ausgangs Akureyri war der Gegenwind wieder sehr stark. Die Sonne hat zwar schön geschienen. Es war nicht kalt. Ich könnte wieder schreiben, wie zermürbend doch auch dieser Tag war, kam ich doch in den ersten 4h nur etwa 40 km weit und das Tal war noch lange. Die Passhöhe nicht in Sicht. Doch das Jammern lasse ich jetzt. Man muss den Wind nehmen, wie er kommt. Zuerst fuhr ich in kleinen Gängen und habe immer wieder Pausen gemacht. Doch nach über 40 km habe ich meine Taktik geändert. Ich wusste, dass ich doch gut trainiert bin. Mit Musik in den Ohren bin ich kräftig gegen den Wind gefahren. Der Tag ist lang, es wird nie dunkel, ich hatte also alle Zeit der Welt. Mit dieser Einstellung meisterte ich den Pass. Auf der Passhöhe war meine Durchschnittsgeschwindigkeit auf unter 10 km/h gefallen.

In Saeberg war ich in einem super Campingplatz mit einem Hot Tub. Oftmals übernachtete ich auf öffentlichen Campingplätzen. Wild Zelten ist verboten und ein ungestörtes Plätzchen zu finden ist nicht einfach, weil keine Wälder gibt in Island. Das Wasser aus den Fliessgewässern kann man trinken.

Ich war nicht der einzige Velofahrer auf der Ringstrasse. Die anderen hatten auch nicht bessere Verhältnisse. Zum Velofahren ist Island also nicht wirklich empfehlenswert. Nun der Sommer in Island ist ja nicht besonders, doch dieses Jahr war der Sommer im Juni selbst für isländische Verhältnisse ein besonders schlechter. Doch es hat mich ein wenig abgehärtet.

Das velofahrerische Highlight dieser Veloreise war wie erwartet die Velofahrt vom Flughafen Basel nach Hause. Endlich Velofahren in kurzen Hosen. Es gab zwar auch etwas Wind, doch der war harmlos verglichen mit dem Isländischen Wind, konnte ich doch trotzdem noch 17 km/h fahren. Ganz zum Schluss gab es noch leichten Regen, doch ich habe nicht mal den Regenschutz montiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s