Neuseeland ohne Velo

Seit ich in Neuseeland angekommen bin, habe ich mich mit der Frage beschäftigt, was ich machen soll, wenn ich mein Ziel Bluff erreicht habe. Wie würde ich weiterreisen? Das hat mich manchmal fast etwas bedrückt, hatte ich doch so viele Möglichkeiten. Soll ich mit dem Velo weiterfahren, ein Auto oder Camper mieten oder kaufen, mit dem Bus reisen oder mit dem Zug, Autostopp machen oder andere Reisende suchen, nach Hause fliegen oder Arbeit suchen?

In den Facebook Gruppen Backpackers New Zealand und Backpacking New Zealand habe ich geschaut, ob jemand im südlichen Teil der Südinsel nach Reisepartnern (Travelmates) sucht. Doch das war nicht der Fall.

Wandern würde mir auch gefallen. In der Nähe auf der Stewart Insel gibt eine mehrtägige Wanderung (Great Walk). Auf der noch weiter südlich gelegenen Insel war es regnerisch und die Wege waren teils ziemlich sumpfig. Die Veloschuhe waren nicht wasserdicht. Mein Gepäck mit Schlafsack, Zelt und Kocher war schwer. Die Tasche war nicht sonderlich bequem. Der Flug im Kleinflugzeug neben dem Piloten war ein Erlebnis.

Ich habe ein Auto gemietet, darin konnte ich mein Velo verstauen. So konnte ich mir und meinem Körper etwas Gutes tun. Mein Körper, der immer so gut mitgemacht hat. Nur einmal in Indien gab’s einen Aussetzer. Ich startete den Motor in Invercargill. Zuerst fuhr ich Richtung Slope Point. Zu Fuss erreichte ich dann den südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands. Mein Weg führte mich nach Queenstown, wo ich den Ben Lomond bestieg. Weiter zum Pukaki See, wo ich den Mount Cook sehen konnte. Über den Arthur’s Pass erreichte ich die Westküste. Vom Arthur’s Pass habe ich den Avalanche Peak erklommen. Eine weitere schöne und steile Wanderung. Via Nelson erreichte ich Picton, wo ich das Auto zurück gab und die Fähre nach Wellington nahm. Von Wellington folgte ich mit einem weiteren Mietauto grösstenteils dem Highway 2. An der Ostküste der Nordinsel fand ich dank WikiCamps ein schönes Plätzchen am Strand zum Schwimmen und Übernachten. In Rotorua roch ich die schwefelige Luft und in Auckland gab ich schliesslich das Auto ab.

Es war sehr schön im Auto zu fahren und Musik zu hören. Alle Steigungen konnte ich ohne Mühe und ohne Anstrengung überwinden. Täglich durchschnittlich 420 km zurücklegen war kein Problem. Es war eine Freude, hatte ich die Strasse oftmals für mich alleine, besonders auf der Südinsel hatte es wenig Verkehr.

Bei Auckland konnte ich mein Velo und etwas Gepäck deponieren, um Northland nur mit einer Tasche zu bereisen. Ich habe zuvor einige Leute getroffen, die in Neuseeland nur per Autostopp reisen. Das funktioniere prima. Deshalb wollte ich das selber ausprobieren. Das ging tatsächlich sehr gut. Nur ab und zu brauchte ich etwas Geduld. Manchmal nahm ich auch einen Bus. Ich hatte schöne Begegnungen und gute Gespräche. Mit dem einen Fahrer war ich in Waitangi, wo am 6.2.1840 ein Vertrag zwischen den Briten und den Maori unterzeichnet wurde. Das passierte in der schönen Umgebung in der Bay of Islands. Das ist sozusagen das Rütli von Neuseeland.

Am Cape Reinga war ich sprachlos. Es war ein überwältigender Anblick. Hier treffen die Wellen der beiden Meere, des Tasman Seas und des Pazifiks, aufeinander. Umgeben von einer wundervollen Landschaft. Vom Leuchtturm konnte man die schöne Aussicht geniessen und bestaunen. Es gab Dünen, Strände und Inseln zu sehen. Das war unglaublich beeindruckend. Auf dem Rückweg berührte ich mit anderen Fahrern im Gumdiggers Park 100‘000 Jahre altes Holz. Das wohl älteste nicht versteinerte Holz der Welt. Erhalten geblieben unter Sauerstoffausschluss im Sumpf.

Von Auckland ging ich schliesslich mit der Fähre nach Coromandel und auf der Strasse wieder zurück. Am 9.3.16 verliess ich mit dem Flugzeug dieses wunderschöne Land Neuseeland oder wie es die Maori nennen: Aotearoa.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s