Vom östlichsten Punkt Australiens…

Allzu heikel waren die Australier beim Zoll dann doch nicht. Ein Blick in meine Kartonbox hat gereicht, um das Velo ins Land zu bringen. Bevor ich aber ins Land konnte, musste ich noch ein Visum beantragen. Das konnte ich online innert einer Stunde erledigen. Am folgenden Tag machte ich einen Ruhetag, um das Great Barrier Reef unter Wasser anzuschauen. Wir fuhren etwa 2h mit einem Schiff an zwei verschiedene Stellen. Dort machte ich zuerst einen Schnuppertauchgang und danach konnte ich schnorcheln. Es war sehr eindrücklich und bunt. Die Fische zeigten keine Scheue. Ich sah auch noch eine Schildkröte und einen kleinen Hai in der Ferne. Imposant war es, wenn man über den Rand des Riffes schwamm, also dort wo es steil abfällt. Instinktiv erschreckt man kurz, doch dann realisiert man, dass man ja gar nicht herunterfallen kann.

Einen Tag später fuhr ich dann mit dem Velo bei wechselhaftem, feuchten Wetter los. Es gab dann auch noch Tage mit lang anhaltendem Regen. Hatte doch gerade die Regenzeit begonnen. Das schlug mir ein bisschen auf die Moral. Zum Glück gab es auch wieder gutes Wetter. Zu Beginn fragte ich mich, ob die Woche ohne Velofahren in Singapur meiner Form nicht gut getan hat, musste ich doch viele Pausen machen und war abends total erschöpft. Erst bei einer steilen Abfahrt am Ende des zweiten Velotages in Australien habe ich bemerkt, dass etwas leicht blockiert war, denn ich musste die Bremsen nie betätigen. Das musste wohl die Hinterachse sein, die während dem Fliegen verbogen wurde. Ging sie doch so streng zum Anziehen. Zum nächsten Veloshop ging es aber noch 100 km, also musste ich noch einen ganzen Tag kräftig treten. Diesmal mit dem Wissen, dass etwas Widerstand macht. Das war lästig. Am nächsten Tag wollte der Angestellte nichts von meinem Velo wissen, als er meine Nabe mit der Schaltung sah. Er sagte mir, ich müsse wohl ins 1300 km entfernte Brisbane fahren, um das reparieren zu lassen. Das glaubte ich nicht. Meine Vermutung war die Radachse und nicht die Nabe. Deshalb habe ich diese selber ausgebaut und zum Glück hatte er eine passende Achse im Verkauf. So konnte ich unbeschwert und beschwingt ins neue Jahr 2016 fahren. An Silvester 2015 hielt ich an einem Comfort Stop in Home Hill. Dieser wurde mir von mehreren Australiern unterwegs empfohlen. Der eine empfiehl mir auch eine App namens WikiCamps Australien. Diese habe ich anschliessend auf meinem Tablet installiert und gewisse Daten heruntergeladen, damit diese auch ohne Internetverbindung also offline verfügbar sind. Mit Filter habe ich mir nur die kostenlosen Angebote anzeigen lassen. So fand ich etliche Übernachtungsmöglichkeiten. Auch der erwähnte Comfort Stop wurde so angezeigt. Manchmal war es etwas schwierig, einen Platz zum wild Campieren zu finden, denn viele Grundstücke werden landwirtschaftlich genutzt und sind eingezäunt. So sind natürlich Rest Areas zum Übernachten äusserst nützlich. Dort hat es dann häufig auch überdachte Tische, Abfalleimer und WCs, manchmal gibt es auch elektrische BBQ, um Fleisch zu erhitzen. Feuerstellen findet man eigentlich nicht, das Feuern im Freien ist wohl verboten. Im Comfort Stop gab es sogar eine Dusche. Die Infrastruktur in Australien war diesbezüglich sehr gut. Ich hatte die Möglichkeit im Dorf einzukaufen und leistete mir Fleisch, welches ich auf dem elektrischen BBQ zubereiten konnte. Das war ein gutes Silvestermenü: Fleisch mit Salat und Dessert. Mitternacht verbrachte ich in der Bar nebenan. In solchen Rest Areas sind häufig auch noch andere Camper, mit denen man manchmal ins Gespräch kommt. Ein solches Gespräch ging einmal so lange, dass man das Sternbild Südliches Kreuz und darunter den Alpha Centauri in der Nacht deutlich sehen konnte. Zum ersten Mal sah ich den sonnennächsten Stern (oder genauer Doppelsternsystem) mit eigenen Augen. Dieser ist „nur“ etwa vier Lichtjahre von der Sonne entfernt. Einmal übernachtete ich auf einem Feld, weitab von grossen, hellen Städten. Dort hatte ich Rundumsicht auf den schönen Sternenhimmel. Ich sah auch die weniger hellen Sternen und konnte mich so mit den Sternbildern des Südhimmels vertraut machen. Das südliche Kreuz ist dabei am augenfälligsten und gefällt mir am besten. Als ich später eine Australienflagge auf einem Produkt sah, fiel mir auf, dass die Sterne rechts das Sternbild südliches Kreuz darstellen. Nördlich von Rockhampton gab es ein weiteres Highlight. Ich konnte mittags die senkrechte Sonne erleben. Vielleicht nicht ganz so spektakulär, fand ich es trotzdem toll, dass die senkrechten Tafeln keine Schatten warfen.

Wer glaubt, ich sei immer in Topform, der liegt falsch. Auch mein Körper baut Muskeln ab, wenn sie nicht mehr so gebraucht werden. Man könnte ja meinen, dass die Route der Ostküste entlang auf dem Highway 1 wohl kaum viele Höhenmeter geben würde, doch das Meer sah ich nicht oft. Südlich von Cairns war es ja noch mehrheitlich flach, doch nördlich von Brisbane wurde es merklich hügeliger. Da musste ich etliche Male kämpfen. Erst später konnte ich die Steigungen wieder kräftiger meistern. Südlich von Brisbane war ich dann wieder in Form. Ich verliess den Highway 1 und fuhr um Gold Coast und Byron Bay direkt am Meer entlang. Das war sehr schön. In Kingscliff ging ich ins Meer. Eine Dusche war auch vorhanden. Bei Byron Bay war ich am östlichsten Punkt des Australischen Festlandes. Dort beim Leuchtturm traf ich erstmals Schweizer in Australien. Mit denen konnte ich dann auf meine 20’000 km anstossen, die ich dort soeben erreicht hatte. Das war der schönste Tag, den ich in Australien erlebt habe. Er liess mich meine Materialprobleme vergessen und motivierte mich. Weiter gegen Süden wurde es auch einmal etwas kühler (erstmals seit Polen). Allerdings nur vorübergehend. Am letzten Velotag auf dem Weg nach Sydney war es extrem heiss. Ich lechzte nach Wasser und Glace. Praktisch bei jeder Einkaufsmöglichkeit habe ich mir etwas gegönnt. Ich fuhr auf dem schönen, alten Pacific Highway. Es ging auf und ab mit vielen Kurven. Die Sonne brannte und zwischen den Felsen war es in den Aufstiegen ohne Fahrtwind heiss. Selbst bei den Abfahrten hat die Luft die meine trockenen Stellen nicht mehr gekühlt. Es war also um die 36°C warm. Im Strassengraben fand ich eine geschlossene Wasserflasche, die noch nicht abgelaufen war. Sie war mir willkommen. Ich trank das Wasser, allerdings war es so heiss, wie ich normalerweise einen Tee trinken würde. Am späteren Nachmittag war es nicht mehr so extrem heiss und gegen Abend kamen Wolken auf. Die Einfahrt Richtung Sydney war noch spektakulär. Sah man schon von weitem die Hochhäuser. Kurz vor dem Stadtzentrum fuhr ich über die bekannte Harbour Bridge. In Sydney verbrachte ich einige Ruhetage. Ich sah das Opernhaus, war auf dem Turm, schwamm am Bondi Strand und war bei den Blue Mountains im Nebel. Von Sydney, Australien flog ich Ende Januar 2016 nach Auckland, Neuseeland.

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