Incredible India

In Helsinki bin ich bei einem Reisebüro vorbeigelaufen. Dort war auch ein Plakat über Indien zu sehen mit dem Taj Mahal abgebildet. Der Tourismus-Slogan lautet Incredible India. Ich dachte wow, da reise ich auch noch hin. Das Visum für Indien habe ich in Ankara gemacht. Zu beachten ist, dass das Visum schon bei der Ausstellung zu laufen beginnt. Deshalb genügend Zeit anfordern. Man bekommt bis zu sechs Monate. Auch dort auf der Indischen Botschaft: Incredible India mit schönen Fotos.

Vom Iran flog ich nach Indien, um das gefährliche Pakistan zu überfliegen. Ich flog von Tehran nach New Delhi, also von Hauptstadt zu Hauptstadt. Einmal musste ich umsteigen. Beim Buchen des Fluges wählte ich Plätze am Fenster. Doch auf meinem Boardingpass für den ersten Flug war kein Fensterplatz vorgesehen. Naja, wenigstens habe ich auf dem Boardingpass für den zweiten Flug einen Fensterplatz, dachte ich. Als ich dann aber beim Gate am Boarden war, ertönte ein Signal, als der Angestellte mein Boardingpass scannte. Er nahm einen Stift und strich die Sitzplatznummer. Er schrieb eine Nummer hin, die nicht am Fenster war. Also schon wieder kein Fensterplatz. Schade, wozu kann man denn die Sitze bei der Reservation wählen, wenn man diese schlussendlich doch nicht bekommt? Im Flugzeug lief ich durch die Business-Klasse. Diese Leute konnten ja zuerst ins Flugzeug und die meisten waren schon am Champagner trinken. Diese arroganten Snobs, die meinen wohl sie seien etwas besseres, dachte ich. Als ich in der Economy-Klasse war, fand ich meinen Sitz nicht. Mein Sitz befand sich in der der Business-Klasse. Wow, ich wurde upgegradet. Da pfeife ich natürlich auf den Fensterplatz. Als ich gefragt wurde, was ich denn gerne trinken würde, sagte ich Champagner. Mit dem Champagnerglas in der Hand habe ich auf die Leute „heruntergeschaut“, die in die Economy-Klasse liefen und ich dachte, das sind schon arme Schlucker. Somit habe ich mich selbst erwischt, wie ich von der einen Einstellung in die andere gekippt bin.

Am Flughafen in New Delhi angekommen fand ich es zuerst noch amüsant, dass überall alles Indische Angestellte waren. Doch schon als ich aus dem Flughafen lief, gefiel mir dieses Land nicht mehr. Als ein Typ auf mich zulief, wusste ich ziemlich genau, was jetzt passieren würde. Ich kannte die Geschichten. Dummerweise liess ich es geschehen, ich leistete keinen Widerstand und sass später in einem Taxi. Mein Velo und das Gepäck war schon eingeladen. Dann wollte der Typ eine Vorauszahlung eines horrenden Preises. Ich war kurz davor wieder auszusteigen, doch für eine Sekunde habe ich den Preis (falsch) in Schweizer Franken umgerechnet und bezahlt. Mir war klar, dass das für Indische Verhältnisse extrem viel Geld ist. Doch es war schon spät und ich hatte vorige Nacht am Flughafen nur 1h geschlafen. Unterwegs wollte mir der Fahrer noch mehr Geld abknöpfen und sprach immer von einer „Government Tax“. Doch ich sagte, ich würde nicht mehr bezahlen. Das war so vereinbart. Zuerst dachte ich noch, dass vielleicht eine Maut-Stelle kam. Doch diese Steuer war nur so ein Märchen des Fahrers. Er wollte mir deutlich machen, dass ich ins Gefängnis käme, wenn ich nicht bezahlte. So ein Schmarren. Der machte mich wütend. Dann drohte er mich auf der Stelle abzusetzen. Ich wurde laut. Er machte einen Anruf und fuhr mich dann zur Unterkunft. Zum Schluss wollte er noch ein Trinkgeld.

Indien gefiel mir gar nicht. Als Tourist wird man überall abgezockt. Z.B. auch für Tuktuk-Fahrten. Die Zähler verwenden sie praktisch nie. Ich wusste, was die Fahrt kosten müsste, doch ich bekam sie nie zu diesem Preis.

Ich merkte dann auch auch, was Incredible India bedeutet, also es heisst unglaubliches Indien, weil Indien unglaublich dreckig ist. Indien ist unglaublich unterentwickelt. Viele Inder sind unglaubliche Amateure. Wenn man so sieht, wie die am Strassenrand arbeiten. Indien ist unglaublich überbevölkert. Überall hat es Leute und diese Leute sind unglaublich neugierig. Wenn ich irgendwo in einem Dorf eine Banane gegessen habe, war innert kürze eine ganze Gruppe um mich versammelt. Alle starren mich und das Velo an. In Indien befolge ich die Regel, nur Früchte zu essen, die ich schälen kann oder dann wasche ich sie. Die Banane ist dabei eine sehr praktische Frucht, die man überall in Indien bekommt und die man ja ganz einfach schälen kann. Sie gibt mir Energie.

Alle haben mir vom Zelten in Indien abgeraten, sodass ich immer in Hotels übernachtete. Ab und zu wurde ich auch von Privaten eingeladen. Mit privaten Leuten hatte ich oft zu tun. Viele Inder wollten ein Foto zusammen mit mir. Ständig wurde ich angesprochen.

Anfänglich hatte ich auch wieder schlechte Tage. Im Oktober war es immer noch extrem heiss. Am Morgen schon knapp unter 30°C und am Mittag knapp unter 40°C. Mir gefiel es überhaupt nicht. Indien ist total anders. Dieser Lärm, dieses Gehupe, dieses Durcheinander und dann noch die Tiere mitten auf der Strasse, diese Hitze, dieser Staub, Dreck und Abfall. Ich habe durchgebissen und fühlte mich später nicht mehr so schlecht. Vielleicht habe ich mich etwas daran gewöhnt. Ich hatte dann auch noch Begegnungen mit Indern, die mich auch etwas aufstellten. Gewisse Sachen sind so absurd, dass man das auch etwas mit Humor nehmen kann. Witzig finde ich z.B. Inder am Bahnübergang. Da wird auf der ganzen Breite angestanden, obwohl ja die Leute von der anderen Seite auch rüber wollen. Wenn die Barriere hochgeht, gibt es ein Durcheinander mit Hupkonzert.

Gegen Osten hin fand ich Indien etwas besser. Doch die Inder dort haben mit den Indern in New Delhi nicht viel am Hut. In Nordostindien gibt es sogar Abfalleimer. Man sieht auch Kirchen, denn es hat viele Christen. Somit wird auch wieder Schweinefleisch verkauft. Zuvor hat es eigentlich nur Huhn gegeben, denn auch Rindfleisch ist für die Hindus tabu.

Jetzt ist Mitte November 2015 und ich bin schon ein halbes Jahr am reisen.

2 Gedanken zu “Incredible India

  1. Hallo Adrian
    Danke für den spannenden Bericht. Sind froh dass du gut durch Indien gekommen bist. Bei uns sind die ersten Schneeflocken gefallen und die Weihnachtsbeleuchtung brennt , es beginnt die besinnliche Zeit und bald riecht es überall von Weihnachtsguetsli Duft.
    Wir wünschen dir viel Energie und Glück für die nächsten Kilometer.
    Liebi Grüess
    Vreni

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  2. High Adrian
    Ich lese, dass Du um ein paar Erfahrungen reicher bist. Ich wurde mal in Aegypten vom Feinsten abgezockt. Das gehört dazu, nicht ärgern.
    Ich beneide Dich um das Taj Mahal. Wenn ich mal gross bin, will ich das auch noch sehen.
    Wie ich sehe, bist Du nun in Mianmar. Auch eine so unbekannte und deshalb interessante Ecke.
    Wie geht es Deinen Händen? Offenbar bist Du nun super durchtrainiert und radelst locker den goldenen Buddas von Thailand entgegeben.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Vergnügen, Geniesse es, auch wenn’s zäh ist.

    Gruss Martin B.

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