24 erzwungene Ruhetage in Istanbul und Ankara

Mitte August kam ich in der Türkei an. Besonders Edirne hat mir gefallen. Die Häuser und Strassen waren sehr gepflegt. Das war ein riesen Kontrast zum heruntergekommenen Bulgarien. Dafür waren die Preise nun etwas höher. Die Temperaturen kamen mir teilweise auch nochmals höher vor. Es war sehr heiss. Ich sah ich eine Tankstelle mit der Aufschrift Mini-Market und wollte schauen, ob die vielleicht Glacé haben. Doch da war gar kein Mini-Market mehr. Es wird nichts verkauft. Stattdessen boten mir die Leute dort Wassermelonen an. Ich durfte mich setzen und bekam noch Oliven, Käse, Brot, Joghurt und Coca Cola. Die Türken sind sehr gastfreundlich. Oft hupen und winken sie auf der Strasse.

Auf dem Weg nach Istanbul musste ich über viele Hügel, was bis am Abend etwa 1000 Höhenmeter ergab. Ich dachte, dass es am folgenden Tag weniger sein würden, weil ein grosser Teil der Strecke dem Meer entlang geht. Doch weit gefehlt, auch auf der letzten Tagesetappe bis Istanbul gab es schlussendlich wieder 1000 Höhenmeter. Ich kam erschöpft an und fühlte mich müde. Ich hatte auch eine gewisse Reisemüdigkeit. Viel Ungewisses steht mir bevor. Einiges würde nun anders in Asien verglichen mit Europa und irgendwann muss ich mich mit dem Thema Visum und Routen- und Zeitplanung auseinandersetzen.

In Europa konnte ich nur so darauf los blochen. Alle Grenzen mühelos passieren und am Abend bei nächster Gelegenheit mein Zelt aufstellen. Und solche Gelegenheiten gab es viele. Ich wusste, dass ich mich mit dem Thema Visum auseinandersetzen muss. In Warschau habe ich es mir vorgenommen, in Krakau wieder und auch in Bukarest dachte ich, dass ich mich darum kümmern könnte, falls ich Zeit dafür fand. Doch das war nicht der Fall, ich wollte immer wieder weiter Richtung Istanbul. Ich war immer derart in Bewegung. Nie hatte ich übrige Zeit. Auch schon habe ich über Ferien nachgedacht, also viele Ruhetage nacheinander. Ich verschob die Visumsgeschichte einfach auf Istanbul. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich habe es schon beinahe kommen sehen, dass ich dadurch irgendwann ausgebremst würde. Und so kam es dann auch.

Als ich in Istanbul im Hostel ankam, war ich ziemlich lustlos. Mit dem Bettnachbarn habe ich noch lange gesprochen. Als ich angesprochen habe, dass ich mich um ein Visum kümmern müsse, hat er mir seine Hilfe angeboten. Das kam mir sehr entgegen, hatte ich doch keine Lust dazu und wenig Erfahrung auf diesem Gebiet. Er hätte viel Erfahrung, weil er Autos überführt. Eine schöne Geschichte… Bis jetzt habe ich in den Hostels eigentlich nur gute Leute getroffen. Es haben sich viele unterhaltsame Gespräche ergeben mit Reisenden aus aller Welt. Viele haben mir auch Tipps für meine Reise gegeben. Oder in Krakau haben wir Spiele gespielt und Wodka dazu getrunken. Also durchwegs positive Erfahrungen. Diesem Bettnachbarn habe ich also vertraut und ich liess mir helfen. Doch das war ein Fehler. Ich habe nicht auf meinen gesunden Menschenverstand gehört, sondern ich habe mich an die Hoffnung auf das Visum geklammert. Er hat mich über den Tisch gezogen. Das hat mich einiges gekostet. Der Typ heisst Eduard Walter hat Jahrgang 1982 und ist Deutscher (und evtl. auch Kirgisischer) Staatsbürger. Das hat meine Laune noch weiter in den Keller gezogen.

In Istanbul fühlte ich mich erstmals einsam. Vieles habe ich im April mit Freunden in dieser Stadt erkundet. Alleine machte mir das viel weniger Spass. Dazu kam noch die grosse Ungewissheit wie und wo es mit meiner Reise weitergeht.

Den Visumsprozess habe ich anschliessend selber angestossen und war also gezwungen in Istanbul zu warten. Das hat mir gar nicht gefallen. Ich hatte zwar endlich mehr als genug Zeit, um Sachen zu erledigen. Ich habe auch einiges gemacht, was ich in den drei Monaten aus Zeitgründen nie machen konnte, z.B. habe ich Filme geschaut. Auch mit der weiteren Route und den später benötigten Visa und wo ich diese beantragen will, habe ich mich befasst. Aber trotzdem wollte ich eigentlich lieber weiter. Weil ich das Visum bzw. den Code nicht schon von Bukarest im Internet beantragt habe, musste ich total zwei Wochen in Istanbul warten. Das war so lange, dass sich in Mamas Agenda eine Lücke ergab und sie mich spontan mit zwei Bekannten in Istanbul besuchen konnte. Sie hat mir auch noch praktischere Ausrüstungsgegenstände und leckere Schweizerprodukte mitgebracht. So konnte ich der langen Warterei doch noch etwas Positives abgewinnen.

Dann ging es endlich weiter. Doch ich wusste, dass in der Hauptstadt Ankara das nächste Visum ansteht. Diesmal habe ich den Prozess online schon von Istanbul angestossen.

Auf dem Velo hatte ich zu Beginn viel Energie. Doch auf der vierten Tagesetappe nach Istanbul nahm ich eine Abkürzung, die sehr steile und wenig befahrene Strassen mit sich brachte. Teilweise war die Strasse nicht einmal geteert. Erst nach Sonnenuntergang kam ich bei einem Bekannten an. Da war ich erst einmal froh über die kommenden Ruhetage. Währenddessen wurde mir die Tochterfirma PFIFFNER Türkei gezeigt. Das war interessant. Konnte ich dabei doch auch wieder gewisse Hirnbereiche aktivieren, die ich letztlich nicht mehr oft gebraucht habe.

Doch bald zählen meine Muskeln in den Beinen wieder, wenn es wieder weitergeht. Irgendwann ist genug gewartet. Dieser Warterei kann ich allerdings auch wieder etwas Gutes abgewinnen. Kann ich dadurch doch Mitarbeiter des Hauptsitzes treffen, die geschäftlich in der Tochterfirma in der Türkei zu tun haben.

5 Gedanken zu “24 erzwungene Ruhetage in Istanbul und Ankara

  1. Hallo Adrian,
    Vielen Dank für den langen Bericht. Istanbul und Ankara sind ja vielleicht nicht die schlimmsten Orte gewesen, um auf das Visum zu warten. Je exotischer die Länder, desto mehr Zeit erfordert das Visum. Solltest also vorbeugen 😉. Hast ja nun schon viele Kilometer in den Knochen. Lass es Dir gut gehen und nicht die Laune verderben. Herzliche Grüße. Jan

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  2. Hallo Adrian, Krisen sind da, um gemeistert zu werden. Ich zweifle nicht daran, dass das dir gelingt. Stell dich auf die neue Situation ein und geniesse die sicher neuen Eindrücke. Mut nicht verlieren, es geht weiter.

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  3. Hallo Adrian, schön zu hören, dass du wieder im Sattel sitzt. Vielen Dank nochmal für den schönen Abend mit Backgammon, Wasserpfeife und den Berichten deiner Reise. Kathrin und ich sind nach 2 Wochen Kirgistan und einigen Tagen Moskau zurück in Hamburg. Wir verfolgen dich und deine Reise weiter und freuen uns schon von deinen weiteren Erfahrungen zu hören. Viel Spaß bei deiner Reise. Viele Grüße auch von Kathrin

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  4. Hi Adrian!
    Wie gehts? This is Aritz, the basque guy you met in the Airport! We were talking about World issues, do you remember?
    I hope all is fine with you. My travel was unforgettable. I will explain to you one day, and I hope yours was the same!
    Take care and could be great if we continue talking/writing.

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