Auffahrt ist nicht gleich Abfahrt

Vor einer Woche bin ich auf meine Veloreise gestartet. Nun ist es Zeit für meine Berichte. Bis jetzt hatte ich nie Internet und als ich hatte, war ich in einer aufregenden Stadt, die ich erkunden wollte, bevor ich am folgenden Morgen wieder weiterreisen würde. Somit verfasse ich die Texte nun ohne Internet und werde die vorbereiteten Zeilen später ins Internet hochladen. Mometan sitze ich an einem kleinen See auf einem Campingplatz neben einer Steckdose und lade das Tablet und speise meinen Laptop. Unterdessen ist es dunkel geworden und ich sehe die Sterne.

Doch erst mal der Reihe nach. Ursprünglich dachte ich einmal, dass ich an Auffahrt abfahren könnte. Wer will denn noch lange zu Hause bleiben, wenn er abreisen könnte. War doch mein letzter Arbeitstag am Mittwoch vor Auffahrt. Doch dass das nicht möglich ist, habe ich schon am Wochenende davor gemerkt. Gab es doch noch so viel zu erledigen, bevor ich gehen kann. Aber was soll der Stress? Ich gehe einfach, wenn ich bereit bin. Schliesslich war ich am Wochenende so langsam startklar, sodass ich mich auf eine Abfahrt am Sonntag eingestellt habe. Praktisch die ganze Nacht habe ich noch Programme auf dem neuen Laptop installiert und Daten rüber kopiert. Am nächsten Morgen musste noch das Zimmer aufgeräumt und gesaugt werden. Somit war ich erst nach 10 Uhr startklar.
Die Route begann ich mit einem vertrauten Weg: mein ehemaliger Arbeitsweg, den ich mindestens einmal wöchentlich mit dem Velo gemacht habe. Mit dem ganzen Gepäck hatte ich bloss etwa 5 Minuten länger als üblich.
Unterwegs wurde ich von einem Rennvelofahrer überholt, den ich von der Arbeit kannte. Was für ein Zufall. Ich fuhr der Aare entlang und habe bei Brugg kurz Halt gemacht, um die grossen Wassermassen zu betrachten. Der Pegel war ziemlich hoch. Das Wasser kam kaum richtig unter einer kleinen Brücke durch. Dieses Zusammenkommen von Aare, Reuss und auch Limmat war sozusagen das erste hydrologische Highlight. Das zweite erlebte ich dann bei Koblenz, wo die Aare in den Rhein fliesst. Oder müsste es nicht heissen: wo der Rhein in die Aare fliesst? Hydrologisch ist ja der Rhein ein Nebenfluss der Aare und das habe ich hautnah miterlebt. Die Aare ist bei Koblenz ein mächtiger Fluss, wobei der Rhein dort noch ganz gemächlich und nicht alzu breit daher kommt. Nun, die Römer (oder irgendwelche historischen Gegebenheiten) nannten den Fluss allerdings Rhein.
Den habe ich nach dem Grenzübertritt nach Deutschland dann aber nicht mehr gesehen. Bei einer Kreuzung vor Tiengen hat mir ein Einheimischer den Weg erklärt und mir das Schwarzatal empfohlen, um zum Schluchsee hinaufzukommen. Das war idyllisch und schön, bis die ersten Bäume den Weg versperrten. Um zu passieren, musste ich all mein Gepäck wegnehmen, damit das Velo über die Baumstämme heben konnte. Danach das Gepäck tragen und wieder aufbinden und anbringen. Später waren wieder Bäume im Weg. Dort habe ich es aber geschafft, die Stämme mit dem beladenen Velo zu bezwingen. Die Steigungen habe ich aber als weniger streng wahrgenommen, als noch auf meiner Testtour über den Schallenberg und Brünig. Aber vielleicht war ich einfach durch diese Testtour bereits etwas trainierter, um mit diesem schweren Gefährt vorwärts zu kommen. Der Schluchsee und der Titisee zeigten sich von ihrer schönen Seite. Das Wetter spielte mit, sodass ich mir den Abstecher auf die Feldberg Passhöhe nicht nehmen liess. Ist es doch der höchste Punkt auf der Tour für sehr lange Zeit. Die Aussicht war nicht gerade berauschend, müsste man dazu doch auf den Berg selber.
Nach dieser Tat gönnte ich mir ein Bier mit Glace. In diesem Restaurant vor Titisee-Neustadt waren praktisch alle Gäste Schweizer. In Titisee-Neustadt verkauften sie einheimische Erdbeeren, welche ich auch später immer wieder gekauft habe. Je nördlicher desto günstiger wurden sie. In Titisee kostete ein Pfund noch 3 EUR, dann 2.7 EUR und später gar 2.2 EUR für die günstigste Klasse. Auch die Treibstoffpreise werden generell günstiger gegen Norden, allerdings gibt es Ausnahmen, denn in gewissen Gebieten ist es plötzlich wieder etwas teurer.
Durchs ganze Schwarzwald kam ich ziemlich gut, trotz den vielen Höhenmetern. War ich doch noch fit und spritzig. Allerdings habe ich mehr mit dem stärkeren rechten Bein getreten, war die Sehne beim linken Knie irgendwie leicht angeschlagen. Doch das bereitete mir keine grossen Probleme. Nur einmal gab es an einem Tag im Schwarzwald Regenschauer. Erst ausgangs Schwarzwald nach Pforzheim musste ich den Regenschutz längere Zeit tragen. Bis Heidelberg lief alles tip top. Nach dem Einchecken in der Jugendherberge nahm ich mir einen Rundgang vor und ich wollte beim Eindunkeln noch gute Fotos schiessen, also musste ich zügigen Schrittes marschieren. Den Philosophenweg hoch, um eine schöne Aussicht auf das Schloss und die Altstadt zu erblicken. In Heidelberg sind sehr viele Leute mit dem Velo unterwegs. In der Herberge habe ich mich noch mit dem Internet verbunden, doch ausser viel Wartezeit habe ich in den kostenlosen 30 Minuten nichts erreicht. Am nächsten Morgen genoss ich ein üppiges Frühstück. Ich bin später aufgebrochen, als ich das jeweils mache wenn ich zelte und mein Frühstück nur aus Flocken, Wasser mit Milchpulver und Knäckebrot besteht. Dazu mache ich noch einen heissen Tee. Wegen der späteren Abfahrt war ich immer etwas unter Zeitdruck, schön wäre nämlich es noch bis Frankfurt zu schaffen. Erschwerend waren auch meine Schmerzen bei den Sehnen beim rechten Knie. Trotz regelmässigem Dehnen hat sich vermutlich der beanspruchte Muskeln etwas zusammengezogen. Das täglich über 6 stündige Training hinterlässt Spuren.
Bis ich in Darmstadt war, dauerte es eine Weile, aber anschliessend kam ich gut voran, sodass ich es doch noch nach Frankfurt geschafft habe. Auch diese Stadt habe ich mir angeschaut. Dort gibt es viele Hochhäuser zu sehen. Viele Banken haben dort eine Niederlassung. Auch die Europäische Zentralbank hat dort ihren Sitz. Grosse Teile der Altstadt wurden im zweiten Weltkrieg zerstört und wurden später wieder aufgebaut.
In Frankfurt startete ich noch später als am Vortag. Die Sehnen schmerzten immer noch. Somit kam ich nicht ganz so weit. Kaum angekommen an einem abgeschiedenen Plätzchen im Wald wurde es auch schon bald dunkel. Wie soll man da noch Zeit finden am Blog zu schreiben?
Nun an Pfingsten geht es ja bekanntlich am ringsten. Bis anhin habe ich mich fast immer auf den offiziell ausgeschilderten Radwegen gehalten. Diese führen praktisch immer abseits vom Verkehr, sind aber etwas weniger direkt. Es gibt viele Kreuzungen, Verzweigungen und manchmal führen sie über nicht geteerte Feldwege. Das erschwert natürlich das Vorankommen, dafür sieht man vieles, was den Autofahrern verborgen bleibt. Von Quartiersträsschen, über Waldwege und Natur bis zu schönen Rastplätzen.
Heute an Pfingsten waren allerdings nicht viel solche Wege ausgeschildert, sodass ich nich auf nicht viel befahrene Überlandstrassen begab, wo ich ziemlich zügig und ohne viele Verzweigungen voran kam. Dank der höheren Durchschnittsgeschwindigkeit hatte ich nach den anvisierten 100 km heute Abend auch noch Zeit für ein Bad im See. Da es hier Strom gibt und ich auch noch das Tablet auflade, kann ich endlich einen Blogartikel verfassen. So, das war’s erstmal.

6 Gedanken zu “Auffahrt ist nicht gleich Abfahrt

  1. Hallo Adrian
    spannend zu lesen was du schon alles gesehen hast. Für die nächsten Etappen wünschen wir dir viel Power und schönes Wetter. Gruss aus Moister Vreni und Röbi

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  2. Hallo Adrian

    Schön was von Dir zu lesen. Ich dachte schon, mein Link stimmt nicht.
    Klingt ja schon ganz hart, was Du da vor hast. Schone Deine Sehnen.

    Gruss Martin Boss

    P.S. Hast Du in Hirschthal geklingelt, während Du vorbei fuhrst?

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  3. Hallo Adrian, habe am Dienstag beim Mittagessen von Deinem Vorhaben erfahren und heute im Pfiffner, Blitz darüber gelesen. Wünsche Dir viel Kraft und gutes Gelingen. Werde immer mal bei Deinem Blog vorbeischauen um zu sehen, wie es Dir so geht. Für heute liebe Grüsse, Angelika Hürzeler

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    1. Hallo Angelika. Ich bin erstaunt, dass du Zugang zum PFIFFNER Blitz hast. Diesen Beitrag habe ich jetzt auch in „über midpersun in den Medien“ hochgeladen.
      Gruss Adrian

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      1. Hallo Adrian, bin doch PFIFFNER- Pensionär, da bekommt man den Blitz auch. LG Angelika

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